Landluft selbstgemacht -oder- wie wird die Wolle sauber

Also das mit dem regelmäßiger bloggen, ging wohl etwas daneben. Ich bin im Moment viel zu sehr mit andere Dingen beschäftigt und da das Wetter ja hier im Süden im Moment keine Wünsche offen lässt, bin auch sehr viel an der frischen Luft. Da gibt es um und im Haus jede Menge tun. Irgendwie wächst das Unkraut schneller als das man es rupfen kann und unser Haus hat auf der Hofseite nun endlich einen frischen Anstrich bekommen. Bis dahin war jedoch einiges an Vorarbeit nötig, denn alte Farbe musste von hunderten Schindel mit einer Drahtbürste runter. Der neue Anstrich soll ja ein paar Jahre halten.


Ganz nebenbei strick ich auch noch und die TDF 2017 steht vor der Tür, da ruhen dann die nadeln und ich werd spinnen, spinnen, spinnen. Ich freu mich drauf, denn das ist in letzter Zeit auch etwas zu kurz gekommen, wobei ich endlich mein „beschwipstes Yak“ fertig habe , welches ich mal bei Frau Zauberwiese erbeutet hatte und schon viel zu lange in meiner Schatzkiste geschlummert hat. Yak ist schon eine Diva unter den Fasern und benötigt etwas Erfahrung am Spinnrad bzw. Spindel. War mein erstes Yak vor ein paar Jahren noch wesentlich dicker und unregelmäßiger, so hab ich dieses dann dreifach verzwirnt, damit ich in etwa auf dieselbe Garnstärke komme, denn ich möchte die beiden zusammen verstricke. 

Ein großes Thema dieses Jahr scheint die Fermentation von Rohwolle zu sein, den im Facebook und auch bei ravelry wird fleißig darüber diskutiert. Da ich damit nun auch schon so einige Erfahrung sammeln konnte und auch vergleichen kann mit der „Sodawaschmethode“ in der Badewanne möchte ich diese Erfahrungen mit Euch teilen und vielleicht hilft es Euch ja dabei, oder macht Lust es selbst mal auszuprobieren. Das Fermentieren hat einen großen Vorteil und auch einen (für manche) großen Nachteil. 

Ich fang mit dem Nachteil an, den der ist nicht unerheblich und ich würde auch davon abraten es evtl. auf Balkonen auszuprobieren, den es kann heftig nach Landluft schnuppern. Der Duft verfliegt jedoch auch recht schnell, ist jedoch für empfindliche Nasen schon heftig und auch mein Nachbar war kurz zeitig etwas pikiert und freut sich nun jedoch über gut wachsende Tomaten ;-).

Die Vorteile beim Fermentieren, es braucht wesentlich weniger Wasser und ich komme komplett ohne Chemie aus. Es gibt wohl verschieden Ansätze, die zum Ziel führen, ich werd hier über meine Erfahrungen berichten. 

Da ich ja seit letztem Jahr Häuslebesitzerin bin und ich da auch schon über diese Methode gestolpert bin, wanderten bereits im letzten Sommer einige Merino und Jacobsschafvliese in die Fermentation. Ich benutze dafür ein großes blaues Fass, welches zum Auffangen des Regenwassers dient und auch selbiges verwende ich dafür. Durch einiges rum lesen im Internet wusste ich in etwa was zu tun ist.

Man soll am Anfang das dreckigste Vlies in den Behälter tun, welches man hat, damit die Bakterien, welche für die Fermentation zuständig sind ordentlich Futter bekommen und sich fleißig vermehren. Am besten sollte man warten, bis Temperaturen ab 20 Grad herrschen, damit das ganze gut in Gang kommt. 

Beim ersten Durchgang braucht es eine gute Woche, bis sich langsam ein schmieriger Film auf der Wasseroberfläche bildet und das ist auch ein Zeichen dafür dass man mal schaun könnte ob die Wolle sauber geworden ist. Da ich letztes Jahr im Sommer noch nicht ständig beim Haus war, lag meine Wolle auch mal 14 Tage im Fass, was nicht tragisch war, denn so hatten die Bakterien mehr Zeit zum werkeln. Wenn die Brühe aber einmal richtig in Gang ist und auch die Temperaturen (ab 25-30 Grad) mitspielen kann man alle zwei Tage ein neues Vlies einlegen.

Beim ersten Mal hatte ich das Vlies einfach portioniert und ich Wäschesäcke und Beuteln aus alten Gardinen gestopft, damit ich es leichter aus dem Fass wieder rausbekommen. Diese Jahr war ich dann etwas schlauer, denn ich habe das Vlies sortiert, so wie ich es bei Badewannenwaschungen getan hatte und die ganz dreckigen Teile in einem Extrasack zuerst ins Fass gelegt, somit war das dann ein etwas sauberer Angelegenheit und die Sortierterei war einfacher. Die gute Wolle war von der schlechten gleich getrennt und die Bakterien hatten ihr Futter. 

Wenn die Wolle aus dem Fass kommt, nehme ich mir einen weiteren Behälter zu Hilfe, auf welchem ich ein Gitter lege, damit das „gute“ Wasser ablaufen-tropfen kann, denn das bekommen dann meine Rosen und Nachbars Tomaten. Die Wolle selber dann etwas auseinanderzupeln und trocken lassen. Dabei kann es dann durchaus zu Duftwölkchen kommen, welche jedoch schnell verfliegen. Auch die Wolle schnuppert im nassen und feuchten Zustand noch nach Landluft, jedoch wenn sie trocken ist duftet sie nur noch sanft nach Schaf. Einige spülen ihre Wolle wohl noch mal mit Spüli oder Wollwaschmittel, ich verzichte jedoch darauf, da ich das nicht für nötig halte und Kunden die meine von mir Fermentierte Wolle verspinnen sind bis dato sehr zufrieden damit. Somit ist dies also eine sehr Umweltschonende Methode seine Rohwolle sauber zubekommen.


Ich finde meine fermentierte Wolle wesentlich weicher und angenehmer als meine in der Wanne und „Sodawaschmethode“ gewaschene Wolle. Auch macht es weniger Arbeit und der Wasserverbrauch ist um einiges geringer. Das Abtropfwasser welches ich auffange kann ich zum düngen nehmen und im Fass fülle ich das fehlende Wasser einfach wieder mit frischem Regenwasser auf. Gut vorsortieren muss ich in beiden Fällen meine Wolle und bei beiden Methoden bleibt mal mehr Lanolin in einem Vlies, als in einem anderen. Jedes Schaf ist da anders. Falls es mal zu viel Lanolin ist, hilft dann ja der große Kochtopf und wenn im Winter wieder geheizt wird kommt der einfach auf’m Kamin. Es riecht dabei auch nicht mehr wild nach Schaf in der Wohnung, sonst würde der Rest der Familie garantiert streiken.

Und wenn ihr meint Ihr seid fertig oder Euch gehen im Moment die Vliese aus, das Fass kann ruhig so stehen bleiben und eine Weile warten. Einfach nur wieder abdecken, damit nix reinfliegt und fertig. Erst gegen Ende des Sommers mach ich es leer und verteil es an die Blumen rund ums Haus. Mein Fass stand jetzt vier Wochen ohne Arbeit da und nun schwimmt Texelwolle drin, welche ich morgen befreien werde.

Zum Abschluss noch ein Gruppenbild von fermentierter und kardierte Jacobsschaffwolle, welche ich am Wochenende spinnbar gemacht hatte.

 

In diesem Sinne, ran ans Fass und viel Spaß mit bunten Fasern.

 

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Eine Antwort zu Landluft selbstgemacht -oder- wie wird die Wolle sauber

  1. Lydia Tebroke schreibt:

    Wann schläfst Du
    Wahnsinn!

    Gefällt mir

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